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Gedicht des Monats

Gedicht des Monats

Auf der Seite wird die Tradition “Gedicht des Monats” gepflegt. Seit Herbst 2010 ist es regelmäßig online unter der Redaktion von Petra Schirrmann-Krapinoja und Michael Möbius. Beiträge können an die beiden per E-Mail gesendet werden.

 

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M a i  2 0 1 3

Der Kuckuck und der Esel

Der Kuckuck und der Esel,
Die hatten großen Streit,
Wer wohl am besten sänge
Zur schönen Maienzeit
Wer wohl am besten sänge Zur schönen Maienzeit

Der Kuckuck sprach:  „Das kann ich!“
Und hub gleich an zu schreien.
Ich aber kann es besser!
Fiel gleich der Esel ein.
Ich aber kann es besser!
Fiel gleich der Esel ein.

Das klang so schön und lieblich,
So schön von fern und nah;
Sie sangen alle beide
Kuckuck,  Kuckuck, i-a!
Sie sangen alle beide
Kuckuck,  Kuckuck, i-a!

Heinrich Hoffmann von Fallersleben

*

“Der Kuckuck und der Esel” ist ein bekanntes deutsches Kinderlied, zu dem August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1835 den Text schrieb.

 

A p r i l  2 0 1 3

Sieh, das ist es …

Sieh, das ist es, was auf Erden
Jung dich hält zu jeder Frist,
Dass du ewig bleibst im Werden,
Wie die Welt im Wandeln ist.

Was dich rührt im Herzensgrunde,
Einmal kommt’s und nimmer so;
Drum ergreife kühn die Stunde,
Heute weine, heut sei froh!

Gib dem Glück dich voll und innig,
Trag es, wenn der Schmerz dich presst,
Aber nimmer eigensinnig
Ihren Schatten halte fest.

Heiter senke, was vergangen,
In den Abgrund jeder Nacht!
Soll der Tag dich frisch empfangen,
Sei getreu, doch neu, erwacht.

Frei dich wandelnd und entfaltend,
Wie die Lilie wächst im Feld,
Wachse fort, und nie veraltend
Blüht und klingt für dich die Welt.

Emanuel Geibel

*

Emanuel Geibel (1815-1884), deutscher Lyriker, Spätromantiker und Lübecker Stadtdichter, der mit Adelbert von Chamisso, Bettina von Arnim und Joseph von Eichendorff befreundet war.

 

M ä r z  2 0 1 3

Februar – März

Es taut in allen Fluren,
Das Wasser rieselt schon,
Auf seinen harten Sohlen
Der Winter zieht davon.

Er muß den Lichtern weichen,
Die hoch am Himmel stehn,
Den leicht beschwingten Lüften,
Die mild vom Hügel wehn.

Die kleinen Meisen pfeifen
Dem alten Winter nach
Und rufen in die Auen:
Erwach’, o Lenz, erwach’!

Die gelben Primeln nicken,
Schneeglöckchen läuten ein:
Nun will es Frühling werden,
Vergangen ist die Pein!

Die blauen Anemonen,
Die Veilchen sind dabei
Und freun sich, daß vom Eise
Die grüne Erde frei.

O lasse, Mensch, zergehen
Das Eis auch im Gemüt!
Bedenk’, daß Lenz und Leben
So bald, so bald verblüht!

Fritz Lemmermayer

*

Fritz Lemmermayer (1857-1932) war ein österreichischer Schriftsteller, Journalist und enger Jugendfreund Rudolf Steiners, dem Begründer der Anthroposophie.

F e b r u a r  2 0 1 3

 

Auch das ist Kunst,

ist Gottes Gabe,

aus ein paar sonnenhellen Tagen

sich so viel Licht ins Herz zu tragen,

dass, wenn der Sommer längst verweht,

das Leuchten immer noch besteht.

*

Dieses Gedicht wird zwar Goethe zugeschrieben, aber sicher ist es nicht.

J a n u a r  2 0 1 3

 

Lass deine Augen offen sein,
geschlossen deinen Mund,
und wandle still, so werden dir
geheime Dinge kund.

Hermann Löns

*

Hermann Löns (1866 – 1914) deutscher Journalist und Schriftsteller.  Löns`Landschaftsideal war die Heide und er schrieb viele Gedichte darüber; er war als Jäger, Natur- und Heimatdichter sowie als Naturforscher und -schützer schon zu seinen Lebzeiten eine Berühmtheit.