Das Genre des Buches (Ilona Ahonen)

Das Buch “Brüder” beschreibt das Leben zweier Halbbrüder, ihre Familiengeschichte und die Gesellschaft, in der sie leben. Daher hat das Buch Attribute, die in verschiedene Genres passen, insbesondere in diese drei:

Der Familienroman, ist ein Roman-Genre, dessen Handlung sich vordergründig mit dem Schicksal einer Familie befasst. Die Figuren sind vor allem Mitgliedern einer Familie. Die erzählte Zeit erstreckt sich in der Regel über mehrere Generationen. (https://wortwuchs.net/familienroman/)

Als Gesellschaftsroman wird ein Roman bezeichnet, der das Bild einer Gesellschaft in einer bestimmten Zeit entwirft und hier die Probleme verschiedener Menschen und Gruppen in diesem Umfeld aufzeigt. (https://wortwuchs.net/gesellschaftsroman/)

Der Entwicklungsroman schildert die seelische Entwicklung einer Hauptfigur in ihrer Auseinandersetzung mit der Umwelt und mit sich selbst sowie ihren Reifeprozess durch die Verarbeitung eigener Erlebnisse und Erfahrungen. (https://lektuerehilfe.de/merkmale-textsorten/epik/roman/entwicklungsroman)

Besonders der zweite Teil des Buches mit Gabriel zeigt eine Familie, die aus verschiedenen Generationen besteht (Gabriel, sein Großvater und sein Sohn Albert), was typisch für ein Familienroman ist. Da die treibende Frage des Romans „Wie wir zu den Menschen werden, die wir in der Mitte unseres Lebens sind“ ist, beschreibt das Genre Entwicklungsroman „Brüder“ doch am besten.

Fleur (Ilona Ahonen)

Fleur, die Frau Gabriels, hat eine große Rolle in zweiten Teil des Buches, der sich auf das Leben von Gabriel konzentriert. Der Leser erfährt von den Ereignissen im Leben von Gabriels und Fleurs wechselnd aus dem Sichtpunkt der beiden Figuren. Fleur, die als Erwachsene als Übersetzerin arbeitet, kann als eine Person mit einem vielfältigen Hintergrund beschrieben werden. Ihr Vater Richard ist Brite, Mutter Danielle Belgierin, sie ist zweisprachig und hat ihre Kindheit in Ostafrika verbracht. Als 18-Jährige erfährt sie, dass sie adoptiert wurde, was zu einer Infragestellung ihrer Identität geführt hat.

Fleur ist eine interessante Figur, die in vielerlei Hinsicht das Gegenteil der zwei Brüder ist, aber die gleichen Themen, die im Leben von Mick und Gabriel im Vordergrund stehen (Identität, Herkunft, anders sein usw.), sind auch in ihrem Leben sehr präsent. Der Vergleich der Schulfotos von Gabriel und Fleurs hebt die Gegensätze gut hervor, zeigt aber auch die Ähnlichkeit zwischen ihnen: Gabriel ist das einzige dunkelhäutige Kind und Fleur das einzige weiße Kind in der Klasse, beide sind anders als die anderen. Die Eltern, die sie nicht kennen, sind eine weitere Überschneidung in ihrem Leben. Fleur beschreibt es so: „So fremd mir Gabriel oft war, es gab sie, unsere Gemeinsamkeit. Ob es ihm passte oder nicht, wir beide schleppten Phantomeltern mit uns herum.“ (S. 294). Sie und Gabriel sehen die Sache sehr unterschiedlich. Gabriel interessiert sich nicht für seinen Vater, der ihn zurückgelassen hat, und versteht nicht wirklich, warum eine unbekannte Person einen solchen Einfluss auf Fleur haben sollte. Als ihnen die Gelegenheit geboten wird, den leiblichen Elternteil zu treffen, reagieren sie auch unterschiedlich. Fleur trifft ihre Mutter und Gabriel beschließt, seinen Vater nicht zu treffen.

Die Verbindung zu Afrika ist ein weiteres interessantes Thema in Bezug auf Fleur, Gabriel und Mick. Die Brüder waren noch nie in Afrika, für sie ist es die Umgebung, in der sie aufgewachsen ist. Aufgrund ihrer Hautfarbe kann jeder die Verbindung der beiden Halbbrüder nach Afrika erkennen, aber ihre Verbindung ist vor denen versteckt, die sie nicht kennen. 

Hautfarbe und Stereotypen (Laura Buchholz)

Die Brüder leben in einer Gesellschaft, wo die weiße Hautfarbe die Norm ist. Ihre dunkle Haut ist wie eine Maske – die anderen sehen oft nur die Hautfarbe und nicht die ganze Person. In der Schule einfällt den Mitschülern nicht, dass Mick aus Ost-Berlin kommt. Sie glauben, dass er ein Kind eines amerikanischen Soldaten ist, weil die Schwarzen von West-Berlin normalerweise es sind. Ebenfalls merken die Leute in London nicht, dass Gabriels Englisch einen deutlichen deutschen Akzent hat. Das passt nicht zu den Erwartungen, die die dunkle Haut erweckt. Die Brüder sind also weit von den stereotypischen Schwarzen, aber werden oft als solche betrachtet.

Und dann andersrum: die Geschichte von Gabriel fängt so an „Und plötzlich war ich weiß. Ich. Es war nicht die einzige von Tatsachen an diesem Tag, aber die absurdeste. Nicht, dass die Tabloids mich explizit als weiß bezeichnet hätten. Das war nicht nötig. Ich wurde weiß, indem sie darauf verzichteten zu schreiben, dass ich es nicht war.“ Gabriel wird als ein stereotypischer weißer Rassist in den Tabloids dargestellt, weil er ein erfolgreicher Architekt und Dozent ist, der eine schwarze Frau angegriffen hat. Rassismus wird oft auch in solchen Fällen gesehen, wo er eigentlich keine Rolle spielt.

Dem Vater war der Rückkehr nach Senegal in dieser Hinsicht eine Erleichterung: „Er war nicht der ewige Fremde. Musste seine kostbare Energie nicht in eine ermüdende Beweisführung stecken: Schaut her, ich bin ein zivilisiertes Wesen mit einem Doktortitel, ein Schwarzer der akzeptablen Sorte.“ (Idris, S. 199) In Afrika wurden auch seine anderen Eigenschaften gesehen.

Laura B.

Brüder und Brüderschaft (Laura Buchholz)

Der Name des Buches bezieht sich offensichtlich auf den Brüdern, über wen es erzählt. Der Name hat aber auch andere Konnotationen. Im Buch wird die Brüderschaft zwischen Schwarzen und die Brüderschaft zwischen Männern im Allgemein erwähnt. Auch in der Beziehung zu DDR ist der Terminus ‚Brüderschaft‘ wichtig. Die Afrikaner, die nach Deutschland zum Studieren am Ende der 60ern eingeladen waren, wurden offiziell als Brüder betrachtet. In der Tat war ihre Lage aber anders. „Sie haben große sozialistische Bruderreden geschwungen und uns dann gefragt, ob es bei uns Menschenfresser gibt.“ (Idris, S. 200) Die afrikanische Brüder waren also doch nicht ganz wie die deutschen Brüder.

Brüderschaft findet man oft auch zwischen Freunden. Die beiden Protagonisten haben enge Freundschaften mit anderen Männern und auch Frauen. Für Mick sind Desmond und später Chris fast wie Brüder und Gabriel findet seine erste Londoner Freundin Sybil fast wie ein Geschwister, er nie hattet.

Laura B.

Idris, der Vater (Laura Buchholz)

Der Vater, Idris, kam aus Senegal nach DDR in den 60er als ein Gaststudent. Er studierte Medizin in Leipzig und Berlin. Als er zurück nach Afrika kehrte, hinterließ er in Deutschland zwei Söhne, Mick und Gabriel, von zwei verschieden deutschen Frauen, einen in Berlin und einen in Leipzig. In Dakar hat er seine Familie: eine Frau, Odette, und zwei Töchter, Fatou und Bijou. Er sieht die Zeiten in Ost-Deutschland als die schönsten seines Lebens.

Seine Gedanken über seine Herkunft und deren Bedeutung für sein Leben, sieht man gut in einer Passage am Ende des Buchs, wo sein Leben nach sein Rückkehr nach Afrika kurz behandelt wird. Vom Stamm her ist er Fula. “Ein nicht unerheblicher Grund, der für sein Schwiegersohn gesprochen hatte, war der, dass Lamine auch ein Fula war. Alles hatte so gut gepasst. Obwohl Idris geglaubt hatte, er hätte diese Denkart hinter sich gelassen. Er hatte zwei Kinder mit Frauen in Deutschland gezeugt, wollte leben wie ein sorgloser weißer Hippie, hatte geglaubt, dass seine Generation die Welt verändern würde, dass sie kurz davor stünden, dass Herkunft kein Rolle mehr spielt, und dann, Jahrzehnte später, war er es gewesen, der eine Flasche Champagner aufmachte, weil der Junge, den seine Tochter aus Nordamerika mitbrachte, nicht nur Afrikaner, nicht nur Westafrikaner, sondern ein Fula war. Was hatte das zu bedeuten? Dass sich mit zunehmendem Alter der Gesichtskreis verengt? Dass wir am Ende des Lebens nach Hause wollen?” (S. 424-425)

Laura B.

Gabriel (Laura Buchholz)

Den zweiten Bruder, Gabriel, treffen wir am Moment, wo sein Leben in eine Krise gelandet. Er hat seine Selbstbeherrschung verloren, und irgendetwas ganz ungewöhnliches gemacht, was ihm große Probleme bereitet. Das passiert in den 2010’ern, als er schon ein erfolgreicher Architekt und Dozent an einer Universität in London geworden ist. Hier kannst du den Anfang seines Teiles hören:

In Gabriels Hälfte des Buchs wechselt der Sichtpunkt zwischen ihm und seiner Frau, Fleur. Sie kehren in ihren in der ich-Form geschriebenen Passagen in den wichtigen Momenten Gabriels, und auch Fleurs, Leben zurück. Sie sind so lang geheiratet, dass sie fast wie eine Person sind, aber doch nicht.

Die Mutter Gabriels ist schon früh gestorben und Gabriel wurde von seinem Großvater erzogen. Wir lesen von Sybil, Gabriels erste Freundin, wie Gabriel und Fleur einander kennengelernt und geheiratet haben und wie sie einen Sohn bekommen haben. Hier haben wir die dritte Generation – der Sohn, Albert, der seinen Vater sehr selten sieht, Musiker werden will, und mit seinen Freunden Streichen macht, weshalb er erst auf ein zweisprachiges Internat in Frankreich geschickt und später auch von der Schule suspendiert wird.

Laura B.

Mick (Laura Buchholz)

Das Buch fängt mit der Geschichte von Mick an, dem Mitreisenden, wie die Autorin ihn beschildert. Mick wurde in Ost-Berlin geboren, aber zog sich als Schüler mit seiner Mutter und seinem Stiefvater in West-Berlin um. Die Geschichte fängt an diesem Punkt an, in der 80ern. Den Leser wird seine Verwunderung vor den westlichen Lebensstil geschildert. Im Osten war er Leistungssportler gewesen aber im Westen gibt es zu viele Leckeres Essen und er wird dick. Es passt ihm aber nicht, und er fängt an, Sport zu treiben. Er will gut aussehen, um Mädchen zu gefallen. Nach dem Mauerfall fangen die 90er Jahren mit den Clubs, vielfältigen Nachtleben und auch Drogen. Mick will nicht studieren, aber er hat nur wenig Arbeit. Ein Amerikanischer Freund Desmond, gibt ihn manchmal Arbeit in seinen Geschäften und lud ihn zu einer Reise, um Drogen zu schmuggeln. Auch Delia, Micks Freundin kommt mit. Die Reise endet in Katastrophe, aber Delia und Mick kommen daraus ohne Schaden.

Später wird Delia Anwältin und Mick arbeitet weiter in Clubs und im Musikbusiness. Sie ziehen sich zusammen, in Pankow, in Ost-Berlin gegen Micks Wünsche. Jahrelang leben die Zwei zusammen, auch wenn Mick ständig auch andere Frauen hat. Kurz vor der Jahrtausendwende passiert ein Unglück, das Mick den Gehör schadet und ihn aus Gleichgewicht bringt. Gleichzeitig kommt seine lange Beziehung mit Delia zum Ende, seine Geschäfte gehen schief und sein bester Freund bricht die Freundschaft ab. In Thailand findet Mick aber einen neuen Kurs für sein Leben.

Das großte Problemm bei der Beziehung zu Delia sind nicht die anderen Frauen sondern, dass Mick keine Kinder haben will und hat sich sogar sterilisieren lassen, ohne es Delia zu sagen. Später stellt es sich heraus, dass Mick trotz allem ein Kind hat. Während des missgelungenen Drogenschmuggelgeschäftes hatte er ein One-Night-Stand mit einer Frau in London, und hat von ihr eine Tochter, Tara.

Laura B.

Weltbürger (Laura Buchholz)

Die Figuren sind nicht von ihrer Herkunft oder Ethnizität geprägt. Sie haben schon ein Heimat: Mick in Berlin, Idris in Dakar, Gabriels Familie in London, aber daneben sind sie auch Kinder der Zeit der Globalisierung, sie sind Weltbürger. Sie sprechen flüssig mehrere Sprachen, haben längere Zeiten in einem anderen Land gewohnt, machen regelmäßig im Ausland Urlaub, und ihre Verwandte sind über die ganze Welt verstreut. Der Blickwinkel des Buches ist der der oberen Mittelschicht, für die alles dieses möglich ist.

Flughafen. Das Photo: Free-Photos aus Pixabay

In diesem Sinn passt ein Flughafen als Szene des Epilogs perfekt. Er ist ein neutraler Ort, ein passendes Symbol für diese Zeit der Globalisierung und Multikulturalismus. Gleichzeitig ist ein Wiedersehen im Flughafen auch ein typischer Topos, fast ein Klischee, und so fern wieder ein Beispiel für die Vorliebe der Autorin für Stereotypen.

Laura B.

Brüder von zwei Welten – die Beeinflussung der Gesellschaft und des Kontexts im Roman (Maija Multamäki)

Eine Geschichte von ähnlichen aber verschiedenen Brüdern 

 Das Buch wurde 2019 in Deutschland geschrieben, und in der Handlung werden viele Phänomen in der deutschen Gesellschaft in Jahren 1985-2017 behandelt. Wie jeder Roman, ist dieses Werk von Thomae auch ein Produkt seiner Gesellschaft, und deswegen können viele Themen gefunden werden, die heute wichtig und aktuell sind. Im Roman passiert alles entweder im heutigen Deutschland oder in der nahen Geschichte zwischen den Jahren 1985-2017, wo Multikulturalismus, Ein- oder Auswanderung, verschiedene, aber nicht traditionelle Familien und verschiedene Lebenswege und Lebenswähle alltäglich sind. Diese gleichen Themen können auch im Roman gefunden werden. Deutschland ist ein vielfältiges Land, und das Buch und die Hauptfiguren repräsentieren genau das gleiche. 

 Obwohl der Roman keine Autobiografie ist, hat Thomae trotzdem über Themen von ihrem eigenen Leben geschrieben. Thomae selbst ist 1972 geboren und in DDR mit ihrer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen. Ihr Vater ist Zahnarzt, ursprünglich aus Guinea, und Thomae hat ihn erst als eine Erwachsene kennengelernt. Viele von den Erlebnissen der Hauptfiguren, Mick und Gabriel, hat sie persönlich in ihrem Leben erlebt, und jetzt auf eine faszinierende Weise zu ihrem Roman gebracht. 

Thomae erzählt die Geschichte von zwei Halbbrüdern getrennt voneinander. Das erste Teil des Romans handelt um das Leben von Mick zwischen 1985 und der Jahrtausendwende in Berlin und das zweite Teil um Gabriel ab Jahr 2000 in London, England. Das Buch handelt um die Leben von den zwei Brüdern in chronologischer Ordnung, aber nicht gleichzeitig in Parallelen. Das ist eine interessante Weise, über die Brüder zu erzählen, und trotz die Geschichten nicht parallel erzählt werden, ist es möglich, ganz klar zu sehen, dass die zwei Brüder verschieden Schicksale im Leben haben. Obwohl die zwei Brüder in den gleichen Umständen geboren sind, mit dunkler Hautfarbe, in DDR für eine alleinerziehende Mutter und ohne das Wissen, dass sein Vater ein Arzt aus Senegal ist und dass sie beide auch einen Bruder haben, sind die Lebenspfade von den Brüdern komplett unterschiedlich. Genau das ist ein von den Haupthemen des Buches. Mick lebt ein sorgenfreies Leben in Berlin mit Partys und Drogen bis er zuallerletzt einen Unfall hat, wo sein Gehör geschädigt wird. Er zieht nach Thailand um und wird Yogalehrer. Gabriel ist anderseits ein erfolgreicher Architekt, der in London mit seiner Familie lebt. Das hektische Leben führt zum Burn-out, und er muss sein Leben wieder in Ordnung stellen und denken, was das wichtigste ist. Trotz ähnlichen Grundvoraussetzungen sind Mick und Gabriel sehr unterschiedliche Charaktere und die beiden machen seine eigene Lebenswähle, die sich auch sehr voneinander unterscheiden. 

Aufbau und Stil des Buches (Laura Buchholz)

Das Buch besteht aus zwei Hauptteilen, einem Intermezzo und einem Epilog. Im ersten Teil wird die Geschichte von Mick erzählt; im zweiten Teil die Geschichte von Gabriel. Die Zwei teilen sind vom Aufbau her unterschiedlich. Micks Geschichte besteht aus zwei Teilen: erst die Jahren 1985-1994 und danach die Jahren 1996-2000. Seine Geschichte wird in der dritten Person erzählt, Gabriels aber in der ich-Form als innerer Monolog, wechselnd aus dem Sichtpunkt von Gabriel und seiner Frau Fleur. Diese Hauptteile werden durch einen kurzen Einblick in das Leben ihres Vaters, Idris, zusammengebunden. Am Ende steht der Epilog, wo dem Leser erzählt wird, wie es den Protagonisten im Jahr 2017 geht.

Vom Stil her ist das Buch gewissermaßen anspruchsvoll, aber nicht zu. Der Text ist fließend, humorvoll und empathisch. Die Autorin darstellt geschickt bestimmte Erscheinungen der Geschichte von letzten siebzig Jahren: das DDR der Wende von den sechzigern zu den siebzigern, das Nachtleben von Berlin des 90ern, die Jahrtausendwende, thailändischen Luxurresorten, chinesischen Baustellen, London des 2010ern.

In dem ersten Teil des Buches werden direkte, indirekte und erlebte Rede wechselnd als Stilmittel benutzt. Erlebte Rede bedeutet: “Gedanken oder Bewusstseinsinhalte einer bestimmten Person werden im Indikativ der dritten Person und meist im sogenannten Epischen Präteritum ausgedrückt, das damit eine atemporale Funktion annimmt.” (Wikipedia)

Eine interessante stilistische Entscheidung ist, dass die Repliken in keiner sichtbaren weise vom Rest des Textes unterscheiden: keine Anführungszeichen oder Gedankenstrichen. Dieser Weise sehen die LeserInnen die Gespräche auch durch die Linsen von den Protagonisten.

Beiseite der jeweiligen Rahmenerzählung kehren die Protagonisten, besonders in dem zweiten Teil des Buches konstant in ihren Gedanken in der Vergangenheit. Vom Stil her ist das zweite Teil wie ein Memoir. Gabriel und Fleur suchen in ihren Erinnerungen die Antwort zu der Frage, wie sie zu den Menschen geworden sind, die sie in der Mitte ihres Leben sind. Diese Idee wird auch im Klappentext hervorgehoben, und auch Micks Geschichte versucht an dieselbe Frage zu antworten.

Der rote Faden des Buches ist also, wie haben besonders Mick und Galbriel zu den Personen entwickelt, die sie am Ende des Buches als 47-jährig sind. Ich finde, dass die wichtigste Botschaft des Buches ist, dass die persönliche Geschichte jeder Person darauf auswirkt, wie sie an einem Moment ist. Eine Person ist eine komplexe Einheit und ihre Identität besteht aus mehreren Bausteinen. In dieser Mischung sind solche Sachen wie die Hautfarbe oder das Vaterlosigkeit nur einzelne Bestandteile, und zum Beispiel für die Identitäten von Mick und Gabriel sind andere Sachen eigentlich viel wichtiger.

Laura B.