Hautfarbe und Stereotypen (Laura Buchholz)

Die Brüder leben in einer Gesellschaft, wo die weiße Hautfarbe die Norm ist. Ihre dunkle Haut ist wie eine Maske – die anderen sehen oft nur die Hautfarbe und nicht die ganze Person. In der Schule einfällt den Mitschülern nicht, dass Mick aus Ost-Berlin kommt. Sie glauben, dass er ein Kind eines amerikanischen Soldaten ist, weil die Schwarzen von West-Berlin normalerweise es sind. Ebenfalls merken die Leute in London nicht, dass Gabriels Englisch einen deutlichen deutschen Akzent hat. Das passt nicht zu den Erwartungen, die die dunkle Haut erweckt. Die Brüder sind also weit von den stereotypischen Schwarzen, aber werden oft als solche betrachtet.

Und dann andersrum: die Geschichte von Gabriel fängt so an „Und plötzlich war ich weiß. Ich. Es war nicht die einzige von Tatsachen an diesem Tag, aber die absurdeste. Nicht, dass die Tabloids mich explizit als weiß bezeichnet hätten. Das war nicht nötig. Ich wurde weiß, indem sie darauf verzichteten zu schreiben, dass ich es nicht war.“ Gabriel wird als ein stereotypischer weißer Rassist in den Tabloids dargestellt, weil er ein erfolgreicher Architekt und Dozent ist, der eine schwarze Frau angegriffen hat. Rassismus wird oft auch in solchen Fällen gesehen, wo er eigentlich keine Rolle spielt.

Dem Vater war der Rückkehr nach Senegal in dieser Hinsicht eine Erleichterung: „Er war nicht der ewige Fremde. Musste seine kostbare Energie nicht in eine ermüdende Beweisführung stecken: Schaut her, ich bin ein zivilisiertes Wesen mit einem Doktortitel, ein Schwarzer der akzeptablen Sorte.“ (Idris, S. 199) In Afrika wurden auch seine anderen Eigenschaften gesehen.

Laura B.

Stereotypen, ethnischer Hintergrund und Identität (Meri Vainio)

In interkultureller Literatur stehen oft die Themen, wie ethnische Hintergrund und Identität, im Fokus. In jedem Buch gibt es auch Stereotypen, die „feste Vorstellungen von Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zugeschrieben werden“ (IKUD® Seminare (2021)). Laut der IKUD® Seminare (2021) „helfen sie auch dem Individuum, komplexe Wahrnehmungen und Informationen zu reduzieren.“

In diesem Buch gibt es viele verschiedene Stereotypen, die man sehen kann, wenn man die unterschiedlichen Haupt- und Nebenfiguren betrachtet. Mick, einer der Hauptfiguren, ist ein charmanter Mann, der mit vielen Frauen schläft und seiner Freundin, Delia, nicht treu ist. Er feiert hart, als er jung ist, säuft und nimmt Drogen, und es scheint, dass er kaum keine Richtung im Leben hat. Gabriel dagegen, die andere Hauptfigur, ist das Gegenteil seines Bruders. Er bekommt gute Noten in der Schule und wird ein erfolgreicher Architekt. Er ist aber kommunikationsgestört und kann überhaupt nicht mit Frauen flirten, sondern immer sagt, was er meint. Man bezeichnet Mick also als ein charmanter Frauenheld, während Gabriel als ein ganz ernster, nicht so sozialer Mann. Außerdem kommt Idris, Mick und Gabriels Vater, etwa stereotypisch vor: er ist der Mann, der seinen Kindern und deren Mütter hinterlässt und die Kinder wieder kontaktiert, wenn er alt ist.

Delia, die Micks Freundin ist, gehört zu einer wohlhabenden Familie und studiert Jura. Sie repräsentiert das Stereotyp, wie ein Kind gutgebildeter Eltern, trotz ihrer persönlichen Probleme, dem Pfad der Eltern folgt und einen guten Beruf kriegt. Fleur, die Gabriels Frau ist, stellt auch ein Stereotyp dar, nämlich das der Frau, die gleichzeitig mit zwei Männern schläft, schwanger wird und dann sich für den reicheren und erfolgreicheren Mann entscheidet, obwohl das Kind nicht unbedingt seines ist. Überdies stoßt man auf einige andere Stereotypen. Mick und Gabriel, sowie sein Vater, begegnen rassistischen Menschen (und ihren rassistischen Kommentaren) in ihrem Alltag, zum Beispiel Mick traf seinen alten Schulkumpel, Silvio Kurz, in einem Lottoladen, und als er rausging, beschimpften Silvio und seine Freunde ihn und Silvio schlug ihn. Fleur dagegen, als Frau, wurde von seinem Boss Morris negativ beurteilt: „Aber im Ernst, Fleur […] lass die Jüngeren ran. Sie brauchen Jobs, du nicht.“ (S.545).

In der Zeit, wenn die BLM-Bewegung (Black Lives Matter) ein sehr wichtiges und prägendes Thema in der Gesellschaft ist, rückt das Buch auch das Thema der Hautfarbe ins Zentrum. Die schwarze Haut wird als Stereotyp betrachtet und man erfährt durch die Erfahrungen der zwei Brüder und ihren Vater, wie die Menschen mit schwarzer Haut in der Gesellschaft gesehen werden. Die Menschen mit weißer Haut konzentrieren sich oft nur auf die Hautfarbe und die anderen Eigenschaften werden nicht berücksichtigt, z.B. als Delia, Mick und Desmond (einer von Micks Freunde, der auch dunkle Haut hast) aus Kolumbien zurück nach Deutschland flogen und in London eine Zwischenlandung hatten, wurden nur Desmond und Mick von der Polizei am Flughafen in London gestoppt und verhaftet, während Delia keine Probleme hatte.

In Bezug auf den ethnischen Hintergrund und die Identität, sind diese Themen prägend im Leben der Haupt- und Nebenfiguren. Die Hauptfiguren, Mick und Gabriel, sind beide mixed race Männer und erfahren othering in verschiedensten Formen, zum Beispiel in Fragen und Kommentaren der anderen Menschen: „Sag mal, werdet ihr eigentlich braun, ich meine: noch brauner?“ (S.78), fragte Mick eine Frau im Urlaub, oder „Als Kind hatte man mir oft gesagt, ich (Gabriel) hätte eine schöne Hautfarbe, und meinte damit, dass ich immerhin nicht ganz schwarz war“ (S.354). Die beiden bemerkten auch in der Schule, dass sie ganz anders aussahen als die anderen Kinder, zum Beispiel in den Schulklassefotos, aber wussten nur, dass ihr abwesender Vater aus Afrika kommt.

Wie gesagt, die Figuren haben unterschiedliche Identitätsfragen im Buch. Als Kind wunderten sich die Hauptfiguren, wer sie eigentlich waren und woher sie kamen. Sie hatten keine stabile Vaterfigur, infolgedessen mussten sie ihre Identität ohne eine bilden. Sowohl Mick als auch Gabriel hatten jedoch ein zuverlässiger Erwachsene in ihrem Leben, außer ihre Mütter. Mick hatte seine Tante und Gabriel seinen Großvater. Über Gabriel muss man aber erwähnen, dass er seine Mutter sehr jung verlor, d.h. er musste seine Identität dann neu formulieren. Als die Hauptfiguren Jugendliche waren, spielte ihren Freundeskreis, oder Zugehörigkeit zu einer Gruppe, auch eine wichtige Rolle in ihrer Identitätsbildung, zum Beispiel „Er (Mick) passte wieder ins Bild, wie damals, bei seinen Ska-Skins […]“ (S. 260). Überdies hatten die beiden, sowie die Nebenfiguren damals die Identitätsfragen zu ihrer Sexualität.

Als die Figuren aufwuchsen, änderten sich einigermaßen die Identitätsfragen. Jetzt fragte man, wie man sich als Partner/in oder als Mutter/ Vater identifiziert, besonders die Mutter/Vater-Identitätsfrage war bedeutend, weil man sich oft fühlt, als ob man seine eigene Identität verliere, wenn man ein Kind bekommt. Zum Beispiel Fleur fühlte sich nicht hundertprozentig sich selbst nach Alberts Geburt und bezeichnete sich nur als Alberts Mutter. Auch Mick und Gabriel mussten über ihre Identität nachdenken, als sie Väter wurden. Die Identität der Figuren wurde auch durch Arbeit formuliert. Zum Beispiel Gabriel (Architekt) und Fleur (Übersetzerin) definierten sich durch ihre Arbeit und als Fleur ein großes Übersetzungsprojekt verlor, musste sie sich überlegen, wer sie eigentlich war. Außerdem handelte man Identitätsfragen in den Wendepunkten des Lebens. Die Identität wurde betrachtet, zum Beispiel als Fleur erfuhr, dass sie adoptiert war und als sie ihre leibliche Mutter traf, als Gabriel seine Mutter und Großvater verlor und als Mick seinen Vater und Albert seinen Großvater und Onkel traf.

-Meri V.

 

Quelle

IKUD® Seminare (2021): „Stereotype und Vorurteile: Definition Stereotypen“, unter: https://www.ikud-seminare.de/veroeffentlichungen/interkulturelles-lernen-stereotype-und-vorurteile.html?print.x=18&print.y=5#h-artikel-und-seminarhinweise-zum-thema-stereotype-und-vorurteile (abgerufen am 26.04.2021).