Die Brücke

Allgemeines

Im Jahr 1959 drehte der Regisseur Bernhard Wicki den Film „Die Brücke“. Der Film basiert auf dem autobiografischen Roman von Gregor Dorfmeister. Der Roman wurde 1958 unter dem Pseudonym Manfred Gregor veröffentlicht (vgl. Galli 2013:189f). Der Film ist eine deutsche Produktion und wurde in Westdeutschland gedreht. Der Film war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung eine Besonderheit, weil er sich mit der deutschen Vergangenheit auseinandergesetzt hat. Zur damaligen Zeit waren fiktive Heimatfilme populär, die eine heile Welt vorgaukelten und den Zweiten Weltkrieg verdrängten, ebenso Filme, die den Krieg verharmlosten – anders bei „Die Brücke“. Der Film deckt die Ideologie, die zu diesem Krieg geführt hat, schonungslos auf. Zudem werden die Gräuel des Krieges ungeschönt gezeigt und der Krieg verurteilt (vgl. Galli 2013: 189f).

 

Die Freundesgruppe in deutscher Uniform.

Inhalt

Der Film spielt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, im April 1945. Die Handlung spielt in einer deutschen Kleinstadt. Der Zuschauer wird mit sieben Klassenkameraden bekannt gemacht, die alle etwa 16 Jahre alt sind. Diese hoffen, bald zur Wehrmacht einberufen zu werden, da sie den Krieg als Abenteuer sehen. Sie möchten sich an der Front beweisen und das deutsche Vaterland verteidigen. Es folgt der Bescheid, dass die Jungen tatsächlich eingezogen werden. Die Eltern sind fassungslos.

Die Jungs werden beauftragt, eine unwichtige Brücke in ihrem Heimatstädtchen zu verteidigen. Die Jungen wissen aber nicht, dass es sich hierbei um eine „Scheinaufgabe“ handelt. Sie sind davon überzeugt, dass die Brücke mit aller Kraft verteidigt werden muss. Zunächst verläuft alles ruhig. Doch dann nimmt ein feindlicher Tiefflieger die Brücke unter Beschuss. Im weiteren Verlauf sterben sechs der Jungen, nur einer von ihnen überlebt. Die Brücke wurde mit aller Kraft verteidigt, obwohl sie völlig bedeutungslos war. Nach Ende des Films erscheint folgender Hinweis: „Dies geschah am 27. April 1945. Es war so unbedeutend, dass es in keinem Heeresbericht erwähnt wurde.“

Die Handlung spielt fernab der Front in einer Kleinstadt. Gezeigt werden nicht die Kämpfe an der Front, sondern die Daheimgebliebenen: Mütter, die sich um ihre Kinder sorgen. Junge Erwachsene, die eine heroische Vorstellung vom Krieg im Kopf haben Daher bietet der Film eine interessante Perspektive, da viele (Anti-)Kriegsfilme die Kämpfe an der Kriegsfront zeigen und dort auch spielen.

Albert kniet neben seinem toten Freund Hans.

Darstellung des Krieges

 Im letzten Drittel des Films werden viele Kampfhandlungen gezeigt. Zuvor wurde nur das Dort und die darin lebenden Menschen gezeigt. Der krieg wird nun schonungslos dargestellt: Der Krieg wird im Film als brutal und grausam dargestellt. Pathos lässt sich an keiner Stelle finden – die Jungen sterben einer nach dem anderen. Um den Krieg auf die Weise darzustellen, hat Wicki mit Laiendarstellern (die Jugendlichen hatten keine oder nur sehr wenig schauspielerische Vorerfahrung) gearbeitet, der Film ist in schwarz-weiß gedreht. Spannend ist zudem, dass es während der Kampfszenen keine extra-diegetische Musik gibt. Der Zuschauer hört lediglich die zu der Szene gehörigen Geräusche – also das Knallen vor Gewehren oder die Schreie der Jungen (vgl. Galli 2013: 191).

Im Film finden sich auch deutliche Parallelen zu dem bahnbrechenden Antikriegsfilm „All Quiet On the Western Front“, der von Lewis Milestones gedreht wurde und 1930 erschien. Das wird beispielsweise im Abspann des Films deutlich, Milestones Film wird dort beinahe wörtlich zitiert: „Das geschah am 27. April. Es war so unbedeutend, daß es in keinem Heeresbericht erwähnt wurde.“ (vgl. Galli 2013: 190).

Rezeption

Der Film wurde von der Zuschauerschaft und den Kritikern sehr positiv aufgenommen.

Alexander Kluge würdigte den Film, wenn auch erst dreißig Jahre später, mit folgenden Worten: „Bernhard Wicki war mit seinem Film „Die Brücke“ der tatsächliche Anfang des neuen deutschen Films […].“ (zitiert nach Galli 2013:191).

Der Film wurde im In- und Ausland mehrfach ausgezeichnet. Im Jahr 1960 wurde er sogar für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert.

Rezension des Films

 Die Geschichte der Jungen wird nahbar geschildert. Zunächst scheint es fast absurd, dass die 16-Jährigen sich so für den Krieg begeistern können. Im Laufe des Films wird deutlich, dass die Jungen vom Krieg eigentlich keine Vorstellung haben und stark durch die Ideologie des Dritten Reiches geprägt und verführt wurden. Es gibt Stimmen, die diesen Film nicht als Antikriegs-Film einstufen. Ich persönlich sehe das anders: Aus meiner Sicht ist der Film eindeutig als Antikriegsfilm einzustufen. Denn er zeugt eindeutig, dass das Sterben für das Vaterland keine heroische Sache ist. Zudem sendet der Film auch die Botschaft, dass man Kinder und Jugendliche vor Ideologien aller Art schützen muss.

 Ideen für die Anwendung im Schulunterricht an finnischen Gymnasien

Die Arbeit und Auseinandersetzung mit dem Film ist eher für Schüler und Schülerinnen in den oberen Klassenstufen geeignet, da der Film für Unterstufenschüler vermutlich noch nicht gut zugänglich ist.

Idee für die Klasse 9:

  • Die Lehrkraft könnte unterschiedliche Screenshots aus dem Film zeigen. Die Screenshots sollten immer mindestens eine der Figuren aus dem Film zeigen. Anschließend sollen die Schüler sich überlegen, was der Person/den Personen gerade durch den Kopf geht. Auf diese Weise lernen die Schüler, sich in die Charaktere des Films hineinzudenken. Auf diese Weise können sie die Handlungen und Motive der Figuren besser verstehen.
  • Man könnte das Medium „Film“ genauer unter die Lupe nehmen und eine Filmanalyse durchführen.

Idee für Oberstufe:

  • Man könnte mit den Schülern Passagen aus der Romanvorlage lesen und dann ausgewählte Film- und Romanszenen miteinander vergleichen. Hierbei könnte man auch die Unterschiede zwischen verschiedenen Medien (Buch und Film) herausarbeiten.

 

Link zum Film (kostenfrei verfügbar):

  • https://www.youtube.com/watch?v=i8J7QYHR_Qw

Verwendete Literatur und weiterführende Informationen:

  • Galli, Matteo (2013): Die Brücke. In: Agazzi, Elena/Erhard Schütz (Hrsg.): Handbuch Nachkriegskultur. Literatur, Sachbuch und Film in Deutschland (1945–1962). Berlin/Boston, S. 189-19.
  • Heger, Christian: Die Brücke. Online unter: https://m.bpb.de/lernen/projekte/filmbildung/157177/die-bruecke (letzter Aufruf am 30.11.2021).

Bildquellen:

 

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